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DER EINFLUSS VON ARBEITGEBERBEWERTUNGSPORTALEN AUF DAS EMPLOYER BRANDING
Arbeitgeberbewertungen – warum Kununu & Co. für das Recruiting wichtig sind
Noch bevor sich Kandidatinnen und Kandidaten bei einem Unternehmen bewerben, informieren sie sich häufig ausführlich über ihren potenziellen Arbeitgeber.
Neben Karrierewebsite, Stellenanzeigen und Social Media spielen dabei auch Arbeitgeberbewertungsplattformen wie Kununu oder Glassdoor eine wichtige Rolle.
Dort finden Interessierte Erfahrungen aktueller und ehemaliger Mitarbeitender und können sich ein zusätzliches Bild von Unternehmenskultur, Führung, Arbeitsbedingungen oder Karrierechancen machen.
Für Unternehmen bedeutet das: Arbeitgeberbewertungen sind längst ein Bestandteil von Employer Branding, Personalmarketing und Candidate Journey.
Was sind Arbeitgeberbewertungsplattformen?
Arbeitgeberbewertungsplattformen ermöglichen es Mitarbeitenden, ehemaligen Beschäftigten und teilweise auch Bewerbern, Erfahrungen mit einem Unternehmen zu teilen.
Bewertet werden können beispielsweise:
- Unternehmenskultur,
- Arbeitsatmosphäre,
- Führung,
- Gehalt und Benefits,
- Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten,
- Work-Life-Balance oder
- der Bewerbungsprozess.
Für Jobsuchende bieten solche Bewertungen zusätzliche Informationen, die auf einer offiziellen Unternehmenswebsite meist nur eingeschränkt sichtbar werden.
Sie können dadurch besser einschätzen, ob ein Arbeitgeber zu den eigenen Erwartungen, Werten und beruflichen Zielen passt.
Welche Vorteile haben Arbeitgeberbewertungen für Unternehmen?
Auch aus Unternehmenssicht können Bewertungsplattformen wertvoll sein.
Sie geben Einblicke darin, wie Mitarbeitende und Bewerber das Unternehmen tatsächlich wahrnehmen.
Wiederkehrende Rückmeldungen können beispielsweise Hinweise auf Stärken oder Verbesserungspotenziale geben.
Zudem bieten viele Plattformen Unternehmen die Möglichkeit, öffentlich auf Bewertungen zu reagieren.
Ein professioneller Umgang mit Feedback kann zeigen, dass ein Arbeitgeber:
- Rückmeldungen ernst nimmt,
- bereit zur Weiterentwicklung ist,
- transparent kommuniziert und
- sich aktiv mit der eigenen Arbeitgeberattraktivität beschäftigt.
Arbeitgeberbewertungen können damit auch eine zusätzliche Informationsquelle für das eigene Employer Branding sein.
Welche Herausforderungen bringen Bewertungsplattformen mit sich?
Bewertungen spiegeln immer individuelle Erfahrungen wider.
Ein einzelner Erfahrungsbericht muss deshalb nicht zwangsläufig repräsentativ für ein gesamtes Unternehmen sein.
Problematisch kann es zudem werden, wenn Bewertungen ohne ausreichenden Kontext gelesen werden oder besonders negative beziehungsweise besonders positive Beiträge das Gesamtbild stark beeinflussen.
Für Bewerber entsteht deshalb meist erst aus mehreren Bewertungen, unterschiedlichen Quellen und den eigenen Eindrücken im Bewerbungsprozess ein realistisches Bild.
Unternehmen wiederum sollten weder einzelne kritische Bewertungen überbewerten noch berechtigte Kritik ignorieren.
Employer Branding und Arbeitgeberbewertungen müssen zusammenpassen
Besonders relevant wird es, wenn die Kommunikation eines Unternehmens und die Erfahrungen der Mitarbeitenden deutlich voneinander abweichen.
Verspricht eine Karrierewebsite beispielsweise eine offene Führungskultur, flexible Arbeitsbedingungen oder umfangreiche Entwicklungsmöglichkeiten, während zahlreiche Bewertungen das Gegenteil beschreiben, entsteht eine Diskrepanz zwischen Arbeitgeberversprechen und wahrgenommener Realität.
Genau diese Widersprüche können die Glaubwürdigkeit der Arbeitgebermarke beeinträchtigen.
Deshalb gilt:
Employer Branding sollte kein Idealbild erzeugen, sondern ein möglichst authentisches Bild des tatsächlichen Arbeitsalltags vermitteln.
Kandidatinnen und Kandidaten erwarten nicht, dass jedes Unternehmen perfekt ist.
Viel wichtiger ist, dass Versprechen, Kommunikation und tatsächliche Unternehmenskultur möglichst gut zusammenpassen.
Warum konkrete Erfahrungsberichte besonders glaubwürdig wirken
Ausführliche Bewertungen können für Bewerber besonders hilfreich sein.
Statt allgemeiner Aussagen wie „tolles Unternehmen“ oder „schlechtes Arbeitsklima“ bieten konkrete Erfahrungen wesentlich mehr Orientierung.
Interessant sind beispielsweise Informationen darüber:
- wie Führung im Alltag erlebt wird,
- wie Teams zusammenarbeiten,
- wie flexibel Arbeitszeiten tatsächlich sind,
- welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen oder
- wie der Bewerbungs- und Onboardingprozess abläuft.
Solche Einblicke machen einen Arbeitgeber greifbarer und können die Entscheidung für oder gegen eine Bewerbung beeinflussen.
Wie sollten Unternehmen mit Arbeitgeberbewertungen umgehen?
Arbeitgeberbewertungsplattformen sollten regelmäßig beobachtet und als Teil des Personalmarketings berücksichtigt werden.
Dabei helfen einige Grundsätze:
Bewertungen regelmäßig prüfen
Unternehmen sollten wissen, welches Bild auf relevanten Plattformen entsteht und welche Themen dort besonders häufig angesprochen werden.
Professionell auf Feedback reagieren
Antworten sollten sachlich, respektvoll und konstruktiv formuliert sein.
Gerade bei kritischen Bewertungen wirkt eine emotionale oder defensive Reaktion häufig kontraproduktiv.
Kritik ernst nehmen
Wiederholen sich bestimmte Hinweise, kann es sinnvoll sein zu prüfen, ob tatsächlich Handlungsbedarf besteht.
Bewertungsplattformen können damit auch Impulse für interne Verbesserungen liefern.
Mitarbeitende freiwillig zu Bewertungen ermutigen
Unternehmen können ihre Beschäftigten darauf hinweisen, dass sie Erfahrungen auf Bewertungsplattformen teilen können.
Wichtig ist, dass dies freiwillig geschieht und keine bestimmte Bewertung erwartet wird.
Keine Fake-Bewertungen einsetzen
Künstlich erzeugte oder beeinflusste Bewertungen können die Glaubwürdigkeit einer Arbeitgebermarke erheblich beschädigen.
Authentische Rückmeldungen sind langfristig wesentlich wertvoller als ein möglichst perfekter Bewertungsdurchschnitt.
Karrierewebsite und Bewertungen vergleichen
Unternehmen sollten regelmäßig prüfen, ob die Inhalte ihrer Karrierewebsite mit dem übereinstimmen, was Mitarbeitende über den Arbeitsalltag berichten.
Gerade größere Unterschiede können Hinweise darauf geben, dass entweder interne Prozesse oder die Arbeitgeberkommunikation angepasst werden sollten.
Auch Wettbewerber beobachten
Ein Blick auf die Bewertungen anderer Arbeitgeber kann ebenfalls hilfreich sein.
Welche Benefits werden besonders positiv erwähnt? Welche Kritikpunkte treten in einer Branche häufig auf? Und wodurch unterscheiden sich Arbeitgeber voneinander?
Solche Erkenntnisse können die eigene Arbeitgeberpositionierung und Recruiting-Strategie unterstützen.
Arbeitgeberbewertungen als Teil der Candidate Journey
Die Candidate Journey beginnt heute häufig lange vor dem Absenden einer Bewerbung.
Kandidatinnen und Kandidaten informieren sich über Suchmaschinen, Unternehmenswebsites, Social Media, persönliche Netzwerke und Arbeitgeberbewertungsplattformen.
Alle diese Kontaktpunkte prägen das Bild eines Arbeitgebers.
Deshalb sollten Unternehmen Kununu, Glassdoor und vergleichbare Plattformen nicht isoliert betrachten, sondern in ihre gesamte Arbeitgeberkommunikation einbeziehen.
Authentizität statt perfekter Bewertungen
Ziel eines guten Employer Brandings sollte nicht sein, ausschließlich perfekte Bewertungen zu erhalten.
Viel glaubwürdiger ist ein differenziertes Gesamtbild, das Stärken sichtbar macht und gleichzeitig zeigt, dass konstruktiv mit Kritik umgegangen wird.
Arbeitgeberbewertungen können Unternehmen dabei helfen, besser zu verstehen, wie sie tatsächlich wahrgenommen werden.
Für Bewerber wiederum bieten sie zusätzliche Orientierung bei der Frage:
Passt dieses Unternehmen wirklich zu mir?
Genau darin liegt ihr Wert für ein modernes Recruiting – sie schaffen mehr Transparenz und können dazu beitragen, dass Unternehmen und Kandidaten bereits vor der Einstellung besser einschätzen können, ob sie zueinander passen.
Quellen:
Wirtschaftsuniversität Wien – Forschung zu Arbeitgeberbewertungen und Arbeitgeberattraktivität
Haufe Personal Quarterly – Arbeitgeberbewertungen und Recruiting
Stellenanzeigen.de – Arbeitgeberbewertungen
