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Gendern in Stellenanzeigen

Stellenanzeigen sind häufig einer der ersten Kontaktpunkte zwischen einem Unternehmen und potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten.

Neben Aufgaben, Anforderungen und Benefits spielt deshalb auch die Sprache eine wichtige Rolle. Sie vermittelt nicht nur Informationen über eine Position, sondern gibt gleichzeitig Hinweise darauf, wie ein Unternehmen mit Themen wie Diversität, Chancengleichheit und Unternehmenskultur umgeht.

Doch wie lassen sich Stellenanzeigen gendergerecht und gleichzeitig verständlich formulieren?

Was bedeutet Gendern in Stellenanzeigen?

Beim Gendern von Stellenanzeigen geht es darum, Formulierungen so zu wählen, dass sich Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht angesprochen fühlen.

Gerade Berufs- und Stellenbezeichnungen wurden traditionell häufig ausschließlich in der männlichen Form verwendet.

Eine inklusive Stellenanzeige versucht dagegen, unnötige sprachliche Ausschlüsse zu vermeiden und deutlich zu machen:

Entscheidend sind Qualifikation, Erfahrung und persönliche Eignung – nicht das Geschlecht.

Damit ist gendergerechte Sprache nicht nur eine Frage der Formulierung, sondern auch Bestandteil von Employer Branding und Candidate Experience.

Wie kann ein Jobtitel gendergerecht formuliert werden?

Eine in Deutschland weit verbreitete Variante ist die Ergänzung „m/w/d“ hinter dem Jobtitel, beispielsweise:

Controller (m/w/d)
Projektleiter (m/w/d)
HR Manager (m/w/d)

Eine Untersuchung der Hochschule Darmstadt beschäftigte sich damit, wie unterschiedliche Schreibweisen in Stellenanzeigen wahrgenommen werden.

In der damaligen Untersuchung erzielte die etablierte Variante mit „m/w/d“ die positivste Wirkung. Auch das Gendersternchen wurde positiv wahrgenommen, allerdings schwächer als die klassische m/w/d-Schreibweise.

Ungewöhnliche Varianten wie ein angehängtes „Y“ schnitten dagegen deutlich schlechter ab.

Für Unternehmen spricht deshalb einiges dafür, bei Jobtiteln auf verständliche und bereits etablierte Formulierungen zu setzen.

Geschlechtsneutrale Begriffe im Fließtext verwenden

Gendergerechte Stellenanzeigen bestehen allerdings aus mehr als dem Zusatz hinter dem Jobtitel.

Auch im weiteren Text können neutrale oder inklusive Begriffe verwendet werden.

Statt beispielsweise ausschließlich von „Mitarbeitern“ oder „Bewerbern“ zu sprechen, bieten sich Formulierungen an wie:

  • Mitarbeitende,
  • Beschäftigte,
  • Bewerberinnen und Bewerber,
  • Kandidatinnen und Kandidaten,
  • Teammitglieder oder
  • Fach- und Führungskräfte.

Oft lassen sich Sätze auch vollständig neutral formulieren.

Statt:

„Der Bewerber übernimmt die Verantwortung für …“

kann beispielsweise stehen:

„In dieser Position übernehmen Sie die Verantwortung für …“

Das wirkt häufig nicht nur inklusiver, sondern spricht potenzielle Bewerber auch direkter an.

Gendergerechte Sprache allein macht noch keine inklusive Stellenanzeige

Ein passender Jobtitel ist nur ein Teil einer guten Stellenanzeige.

Ebenso wichtig ist, welche Anforderungen, Werte und Arbeitsbedingungen kommuniziert werden.

Unternehmen sollten deshalb auch prüfen:

  • Welche Kompetenzen sind wirklich notwendig?
  • Welche Anforderungen sind lediglich „nice to have“?
  • Wie wird die Unternehmenskultur beschrieben?
  • Sind flexible Arbeitsmodelle und Benefits transparent dargestellt?
  • Wird Vielfalt nur behauptet oder tatsächlich nachvollziehbar beschrieben?
  • Spricht der Text unterschiedliche Kandidatengruppen an?

Die Untersuchung zur Wirkung von Stellenanzeigen zeigte ebenfalls, dass neben der Schreibweise des Jobtitels auch Aussagen zu Unternehmenswerten und Benefits die Wahrnehmung einer Anzeige beeinflussen können.

Was hat Gendern mit Employer Branding zu tun?

Eine Stellenanzeige vermittelt immer auch ein Bild des Arbeitgebers.

Sprache, Tonalität und Inhalte können signalisieren, ob ein Unternehmen modern, offen und wertschätzend kommuniziert.

Dabei sollte die Kommunikation allerdings zur tatsächlichen Unternehmenskultur passen.

Ein Diversity-Statement allein macht ein Unternehmen noch nicht vielfältig.

Viel glaubwürdiger wird die Arbeitgebermarke, wenn sich die kommunizierten Werte auch in Recruiting-Prozessen, Führung, Entwicklungsmöglichkeiten und im täglichen Umgang miteinander widerspiegeln.

Wer profitiert von inklusiven Stellenanzeigen?

Eine möglichst inklusive Sprache richtet sich nicht ausschließlich an Frauen.

Sie soll dazu beitragen, Menschen unabhängig von Geschlecht oder geschlechtlicher Identität anzusprechen und unnötige Barrieren im Bewerbungsprozess zu reduzieren.

Darüber hinaus können gut formulierte Stellenanzeigen generell dazu beitragen, dass sich Kandidatinnen und Kandidaten schneller angesprochen fühlen und besser einschätzen können, ob eine Position und ein Unternehmen zu ihnen passen.

Das Ziel sollte deshalb nicht darin bestehen, möglichst kompliziert zu gendern.

Vielmehr geht es um eine klare, respektvolle und inklusive Sprache, die möglichst viele geeignete Menschen erreicht.

Was sagt das AGG zu Stellenanzeigen?

Auch rechtlich sollten Unternehmen bei Stellenanzeigen auf diskriminierungsfreie Formulierungen achten.

Nach § 11 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes darf ein Arbeitsplatz nicht unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot ausgeschrieben werden.

Das AGG schützt dabei unter anderem vor Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts.

Eine bestimmte Schreibweise wie „m/w/d“ ist im Gesetz selbst nicht vorgeschrieben. Entscheidend ist vielmehr, dass aus der Ausschreibung keine unzulässige Benachteiligung hervorgeht.

Unternehmen sollten deshalb nicht nur den Jobtitel, sondern die gesamte Stellenanzeige auf mögliche diskriminierende Formulierungen prüfen.

Gendergerechte Stellenanzeigen als Teil eines modernen Recruitings

Eine gute Stellenanzeige sollte möglichst viele geeignete Kandidatinnen und Kandidaten erreichen und gleichzeitig ein authentisches Bild des Unternehmens vermitteln.

Gendergerechte beziehungsweise inklusive Sprache kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Dabei müssen Unternehmen nicht jeder sprachlichen Entwicklung folgen.

Entscheidend sind aus unserer Sicht vor allem drei Punkte:

verständlich formulieren, niemanden unnötig ausschließen und authentisch bleiben.

Denn am Ende sollte nicht die Frage im Mittelpunkt stehen, welche Schreibweise gerade am modernsten wirkt.

Viel wichtiger ist:

Erreichen wir mit unserer Stellenanzeige die Menschen, die fachlich und persönlich zu unserem Unternehmen passen?

Quellen:
Haufe – Stellenanzeigen gendern
Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Antidiskriminierungsstelle des Bundes – Diskriminierung in Stellenanzeigen