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JOBSHARING – EIN ZUKUNFTSFÄHIGES ARBEITSMODELL?

Flexible Arbeitsmodelle gewinnen seit Jahren an Bedeutung. Neben Homeoffice, Teilzeit oder Vier-Tage-Woche bietet auch Jobsharing Unternehmen und Mitarbeitenden neue Möglichkeiten.

Das Modell kann dazu beitragen, anspruchsvolle Positionen mit reduzierter individueller Arbeitszeit zu verbinden und damit beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern.

Doch wie funktioniert Jobsharing eigentlich? Welche Modelle gibt es? Und welche Vorteile und Herausforderungen entstehen für Unternehmen?

Was bedeutet Jobsharing?

Beim Jobsharing teilen sich zwei oder mehrere Mitarbeitende eine Position.

Im Unterschied zur klassischen Teilzeit arbeiten die Beteiligten dabei nicht vollständig unabhängig voneinander. Sie stimmen Aufgaben, Arbeitszeiten und Verantwortlichkeiten miteinander ab und tragen – je nach Modell – gemeinsam Verantwortung für die Position.

Eine klassische Aufteilung wäre beispielsweise 50/50.

Möglich sind aber auch Modelle wie:

  • 40/60,
  • 30/70,
  • 60/60 oder
  • 70/70.

Bei einer 70/70-Aufteilung arbeiten beide Personen jeweils rund 70 Prozent einer Vollzeitstelle. Gemeinsam stehen damit 140 Prozent beziehungsweise 1,4 Vollzeitäquivalente zur Verfügung.

Gerade bei komplexen Fach- oder Führungspositionen kann eine solche Überschneidung sinnvoll sein, weil zusätzliche Zeit für Abstimmung, Übergaben und gemeinsame Entscheidungen entsteht.

Welche Vorteile bietet Jobsharing?

Ein großer Vorteil liegt darin, dass Beschäftigte auch in Teilzeit anspruchsvolle Fach- oder Führungspositionen übernehmen können.

Für Unternehmen kann das Jobsharing außerdem interessant sein, weil zwei Personen unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen und Perspektiven in eine Position einbringen.

Mögliche Vorteile sind:

  • bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben,
  • Zugang zu Fach- und Führungskräften, die nicht Vollzeit arbeiten möchten,
  • breiteres Kompetenzspektrum,
  • kontinuierlicher Wissenstransfer,
  • gegenseitige Vertretungsmöglichkeiten,
  • zusätzliche Perspektiven bei Entscheidungen und
  • Stärkung von Arbeitgeberattraktivität und Mitarbeiterbindung.

In einer von Haufe aufgegriffenen Befragung von Unternehmen mit Jobsharing-Erfahrung wurden Tandems häufig als belastbarer, agiler und fachlich breiter aufgestellt wahrgenommen als eine einzelne Vollzeitkraft. Solche Ergebnisse zeigen Potenziale des Modells, lassen sich aber nicht pauschal auf jedes Tandem übertragen.

Welche Herausforderungen bringt Jobsharing mit sich?

Jobsharing funktioniert nicht allein dadurch, dass zwei Teilzeitstellen miteinander kombiniert werden.

Die Zusammenarbeit erfordert regelmäßige Abstimmung und ein hohes Maß an Vertrauen.

Zu den möglichen Herausforderungen gehören:

  • zusätzlicher Kommunikations- und Koordinationsaufwand,
  • Überschneidungszeiten,
  • klare Abgrenzung von Verantwortlichkeiten,
  • höherer organisatorischer Aufwand,
  • mögliche Konflikte innerhalb des Tandems und
  • die Suche nach zwei Personen, die fachlich und persönlich gut zusammenarbeiten.

Besonders wichtig ist die Frage:

Wer entscheidet was – und wann müssen Entscheidungen gemeinsam getroffen werden?

Sind diese Punkte nicht klar geregelt, können Zuständigkeiten unübersichtlich werden.

Welche Jobsharing-Modelle gibt es?

Jobsharing kann sehr unterschiedlich ausgestaltet werden.

Job Pairing

Beim Job Pairing stimmen sich die Tandempartner eng miteinander ab.

Sie teilen Aufgaben und Verantwortung und treffen wichtige Entscheidungen gemeinsam.

Hier steht die Zusammenarbeit stärker im Mittelpunkt als bei zwei voneinander unabhängigen Teilzeitstellen.

Topsharing

Beim Topsharing wird eine Führungsposition geteilt.

Zwei Personen übernehmen gemeinsam Verantwortung für Mitarbeitende, strategische Entscheidungen und den jeweiligen Verantwortungsbereich.

Das Modell kann insbesondere für Führungskräfte interessant sein, die ihre Arbeitszeit reduzieren möchten, ohne vollständig auf Führungsverantwortung zu verzichten.

Peertandem

Bei einem Peertandem arbeiten zwei Fachkräfte gemeinsam auf einer Position.

Das kann besonders dann sinnvoll sein, wenn eine Stelle sehr unterschiedliche Kompetenzen verlangt oder schwer zu besetzen ist.

Unternehmen können dadurch Wissen und Fähigkeiten zweier Personen miteinander kombinieren.

Succession Tandem

Bei einem Succession Tandem arbeiten eine erfahrene Fach- oder Führungskraft und eine Nachwuchskraft für einen begrenzten Zeitraum gemeinsam.

Ziel ist es, Wissen zu übertragen und die jüngere Person schrittweise auf eine spätere Übernahme der Position vorzubereiten.

Legacy Tandem

Ähnlich funktioniert das Legacy Tandem.

Hier arbeitet eine ausscheidende Person übergangsweise mit ihrer Nachfolge zusammen.

Das kann helfen, wichtiges Erfahrungswissen im Unternehmen zu halten und die Einarbeitung strukturierter zu gestalten.

Hop-on-Tandem

Ein Hop-on-Tandem kann beispielsweise genutzt werden, um Beschäftigte nach einer Elternzeit schrittweise wieder in eine Position zu integrieren oder Nachwuchskräfte für einen begrenzten Zeitraum in eine bestehende Rolle einzubinden.

Crossfunktionale Tandems

Bei crossfunktionalen Tandems arbeiten Personen mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen eng zusammen.

Das kann helfen, Schnittstellen zwischen Abteilungen zu verbessern und unterschiedliche Perspektiven in einer Position zu verbinden.

Auch Cross-Company-Tandems sind möglich, bei denen Mitarbeitende aus zwei Unternehmen gemeinsam an einer Position oder Aufgabenstellung arbeiten.

Für welche Positionen eignet sich Jobsharing?

Jobsharing kann grundsätzlich in unterschiedlichen Unternehmensbereichen funktionieren.

Besonders interessant ist das Modell häufig bei:

  • Fach- und Expertenpositionen,
  • Führungsrollen,
  • schwer zu besetzenden Schlüsselpositionen,
  • Nachfolgesituationen,
  • Wiedereinstieg nach Elternzeit oder anderen Auszeiten und
  • Rollen mit unterschiedlichen Kompetenzanforderungen.

Entscheidend ist weniger die Hierarchieebene als die Frage, ob Aufgaben, Verantwortung und Kommunikation sinnvoll zwischen mehreren Personen organisiert werden können.

Was macht ein gutes Jobsharing-Tandem aus?

Ein erfolgreiches Tandem braucht mehr als zwei Personen mit ähnlichen Lebensläufen.

Wichtig sind insbesondere:

  • gegenseitiges Vertrauen,
  • offene Kommunikation,
  • ein vergleichbares Verständnis von Qualität und Verantwortung,
  • klar geregelte Zuständigkeiten,
  • verlässliche Übergaben und
  • die Bereitschaft, Entscheidungen gemeinsam zu tragen.

Dabei müssen Tandempartner nicht identisch sein.

Gerade unterschiedliche fachliche Stärken können einen Mehrwert bieten, wenn die Zusammenarbeit gut funktioniert.

Jobsharing als Instrument der Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung

Für Unternehmen kann Jobsharing auch strategisch interessant sein.

Es eröffnet Karrierewege für Menschen, die anspruchsvolle Positionen übernehmen möchten, aber keine klassische Vollzeitstelle suchen.

Damit kann das Modell beispielsweise Eltern, erfahrene Fachkräfte, Beschäftigte in Weiterbildung oder Mitarbeitende in unterschiedlichen Lebensphasen ansprechen.

Jobsharing kann dadurch nicht nur die Work-Life-Balance, sondern auch Recruiting, Mitarbeiterbindung und Arbeitgeberattraktivität unterstützen.

Gerade beim Topsharing entsteht außerdem eine interessante Alternative zur Vorstellung, dass Führungsverantwortung zwangsläufig mit einer klassischen Vollzeitstelle verbunden sein muss.

Jobsharing braucht klare Rahmenbedingungen

Ob Jobsharing erfolgreich ist, hängt stark von der konkreten Umsetzung ab.

Unternehmen sollten deshalb nicht einfach eine Stelle auf zwei Personen verteilen.

Sie sollten zunächst klären:

Welche Aufgaben werden geteilt? Wie werden Entscheidungen getroffen? Welche Überschneidungszeiten braucht das Tandem? Wie funktioniert Vertretung? Und wie wird die Zusammenarbeit im Team organisiert?

Wenn diese Fragen geklärt sind und die beiden Personen gut zusammenarbeiten, kann Jobsharing ein flexibles Arbeitsmodell sein, das sowohl Beschäftigten als auch Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnet.

In einem weiteren Beitrag betrachten wir deshalb genauer, welche organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen Unternehmen bei der Einführung von Jobsharing beachten sollten.

Quellen:
Haufe – Jobsharing: Modelle, Vorteile und rechtliche Grundlagen
Haufe – Jobsharing als Motor für den Kulturwandel
Personio – Flexible Arbeitszeitmodelle